Behinderte? Nein danke!

Es ist keine Drohung, eher Ausdruck von Enttäuschung und Verbitterung sowie eine Art Notruf, was von Fritz Wiegmann kommt. „Es ist traurig, dass niemand etwas für Behinderte geben will. Wenn wir bis Ende August keine Sponsoren haben, ziehen wir aus der Bundesliga zurück“, erklärte der Coach der Rollstuhlbasketballer des RSC Osnabrück. Es geht um vergleichsweise bescheidene 20.000,- Euro. Nicht als Gage für einen Star, ...

... sondern für echte Fahrtkosten, die Auswärtigen entstehen, „denn bezahlen von Spielern geht nicht und möchte ich auch gar nicht“, betont der 55-Jährige. Ein bisheriger Hauptsponsor hat sich zurückgezogen, eine Vielzahl von Anläufen bei anderen Firmen endete jeweils mit einer Absage für Wiegmann.

Besonders enttäuscht ist der Niederländer, zugleich Bundestrainer der deutschen Rollstuhl-Korbjäger, die ihre EM vom 5. bis 15. Oktober in der Türkei spielen, über das Nein beispielsweise eines Geldinstituts, das nicht einzelne Vereine, sondern nur noch „Projekte“ fördern wolle, wie er erfuhr. Kurz darauf stieg das Institut bei einem anderen Team ein, was Wiegmann zu der Erkenntnis trieb: „Für Behinderte gibt niemand etwas.“ Was ihn besonders hart traf, war die Ohrfeige, die er sich in einer Firma abholte, die das Nein so begründete: „Wenn wir beim Behindertensport anfangen, kommt jeder Hans und Franz und will auch was haben.“

Im Vorjahr hatte eine Brauerei die Rollis, immerhin seit mehr als zehn Jahren überwiegend in der Bundesliga, einmal Deutscher Meister und zweimal „Vize“ sowie Europacupstarter, abgewiesen mit dem Hinweis, Behinderte seien für sie keine Zielgruppe.

Jetzt hofft Wiegmann auf seinen Notruf, denn ohne Geld ist Schluss. Andernfalls stehen Spieler dank seiner guten Beziehungen auf Abruf parat, für den RSC Osnabrück zu spielen.

(Artikel aus der "Neuen Osnabrücker Zeitung", Anfang August 2009 - Autor: bec)